Wohl denen, die ihre Stärke in Gott finden
und nicht in der Wut
In meiner Arbeit mit Kirchendistanzierten, Neugierigen, Suchenden und religiös Kreativen ist das Gegenargument gegen den Glauben oft die Frage von Gewalt und der Macht.
Angesichts der Macht und Gewaltausübung, die mir in den letzten Monaten auf vielerlei Weise begegnet ist, erscheint mir die Herausforderung sehr groß, wie wir als Menschen und besonders als Christen Menschen des Friedens werden bzw. bleiben zu können, ohne Gewalt mit Gewalt oder Macht mit Macht zu beantworten.
Dabei spüre ich selbst eine tiefe Sehnsucht nach innerem Frieden, der sicherlich nicht ohne Beziehung zu einem äußeren Frieden zu finden ist. Die Frage ist also, wie werden wir friedfertig?
Wenn man ungerecht behandelt wird, wenn man sich missverstanden fühlt, ins Abseits gestellt und verleumdet wird, wenn Unwahrheiten über einen ausgeschüttet werden, dann wächst Zorn und Wut, und man möchte zurückschlagen, um sein Recht zu fordern. Dieser Zorn verhindert jedoch, dass man mit dem, was einen als Christen eigentlich ausmacht und lieben, leben und arbeiten lässt, das Herz bei Gott zu haben und ausgehend von seiner Liebe zu leben. Wut, Zorn, Unversöhntheit und Härte lenken davon ab, was ich eigentlich mit meinem Glaubensprojekt "Klicky-Bibel" bewirken wollte: Menschen spielerisch zu Gott zu führen.
Dies musste ich im Streit mit geobra Brandstätter immer mehr feststellen.
Jesus sagt in seiner Bergpredigt: "Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, unterbrich dich, geh zuerst zu deinem Bruder und versöhne dich, und dann komm und opfere deine Gabe. (Mt 5,23-24)"
Wenn einen also der Streit ablenkt von dem eigentlichen Ziel, dann gilt dies erst zu klären, bevor man weiter macht. Das heißt: Ich kann nicht in meinem Leben sichtbar machen und darum verkündigen: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" und gleichzeitig selbst hartherzig bleiben. Denn dann ist alles, was ich bisher mit meinem Projekt aufgebaut habe, dann ist das, was Gott durch dieses Projekt bisher bewegt hat, vergeblich gewesen. Und wenn der andere weiterhin droht mit welchen Mitteln auch immer, dann gilt es diesen Kreislauf und die Spirale von Gewalt und Macht zu unterbrechen. Denn: "Wenn Macht Recht bedeutet, hat die Liebe keinen Platz auf der Welt." (aus dem Film: "The Mission")
Wenn eine Welt, die dem Kommerz ungeprüft und ohne Belege Recht gibt, dann verhindert dies genau den Weg der Versöhnung und der Nähe zu Gott, weil sie davon ablenkt. Jesus sagt aber: "Versöhne dich und liebe". Und er sagt dies nicht nur einfach so, sondern weil er davon überzeugt war, dass es möglich ist.
Das mag gegen den Trend und Zeitgeist und gegen vielfache Erfahrungen sprechen, und dennoch will ich weiterhin daran glauben, dass es Heilung, Verwandlung, Versöhnung gibt. Das heißt nicht, dass man nicht auch wütend sein und diese Wut auch äußern darf. Aber es ist etwas anders, ob ich Wut haben darf, oder ob die Wut mich hat.
Ich will aber nicht, dass diese Spirale von Wut und Gegenwut weiterhin Macht über mich bekommt, daher ist es notwendig, still zu werden, dem Rad in die Speichen zu fallen, es anzuhalten, zurück zu gehen und sich zu vertragen. "Wir müssen uns in ein neues Denken leben und es ausprobieren", sagt die Theologin Christina Brudereck zu Recht. Für mich bedeutet das, ein friedfertiges Denken zu leben.
Ich glaube, die Liebe ist die stärkste "Macht" der Welt. Ihre Waffe ist, keine zu haben. Sie ist entwaffnend. Sie braucht keine Waffe. Mich überzeugt diese Idee Jesu. Und ich möchte mit anderen ausprobieren, was er uns anvertraut.
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich daher dazu durchgerungen, meine Webseite "Klicky-Bibel" bis auf weiteres ruhen zu lassen und damit das Rad anzuhalten. Die Klicky-Bibel wird es in der alten Online-Form nicht mehr geben.
Wie eine neue Form des Projektes aussehen könnte, werde ich mit Ruhe, vielen Gesprächen und sicherlich vielen kreativen Ideen entdecken, entwickeln und auf Gottes Führung vertrauen, die - wenn wir von Macht sprechen wollen, dann - allein von der Macht der Liebe geprägt ist.
Damit gebe ich jedoch nicht zu, dass ich mit meinem Glaubens- und Kunstprojekt Unrecht begangen habe (dies wurde nie erwiesen, sondern nur behauptet), noch sage ich damit, dass ich aufgegeben habe, für die spielerische Verkündigung meines Glauben zu streiten.
Ich bin dankbar, für das, was Gott mit meinem Projekt in so vielen Menschen an Glaubensinteresse und -wachstum in den letzten zwei Jahren bewegt hat.
Zu diesen Gedanken und zu diesem Aufbruch hat mich eine sehr bewegende Predigt von Christina Brudereck geführt. Dafür bin ich sehr dankbar!
Markus Bomhard, 6.5.2009
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